Katharina Luther

Das Lutherjahr 2017

Der intensive Spielfilm "Katharina Luther" porträtiert die Frau, ohne die der Reformator nicht seine Bedeutung erlangt hätte

Martin Luthers Frau

Die junge Nonne Katharina hält einen Brief in der Hand und kann es nicht fassen. Ihr Leben muss gar nicht so sein, wie es die Regeln innerhalb der Mauern des Klosters Mariathron zu Nimbschen vorgeben. Auch sie als Frau hat das Recht zu leben, zu lieben. "Lasset das Leben im Kloster hinter euch und schließt euch unserer Bewegung in Wittenberg an", schreibt ihr ein gewisser Martin Luther. Jener Mönch, der vor sieben Jahren mit seinen Thesen die Kirche gegen sich aufgebracht hat, der mit Reichsacht und Bann belegt ist und jetzt allein in einer Ruine lebt.

Mönch trifft Nonne

Das ist die Ausgangslage dieses bemerkenswerten Films, der so authentisch und echt wie möglich in das Leben vor 500 Jahren entführt. "Die besondere Herausforderung war, das Spätmittelalter so beiläufig zu erzählen, dass es den Emotionen der Figuren nicht im Wege stand", sagt Kamerafrau Daniela Knapp. "Man sollte schon in den ersten Minuten mit Katharina mitfühlen und nicht denken, ,Ach so hat Wittenberg damals ausgesehen.‘"

Das funktioniert. Tatsächlich taucht man wie selbstverständlich in die Welt von damals ein. Katharina von Bora, so verletzlich wie kraftvoll gespielt von Karoline Schuch, kommt in Wittenberg im Haus des Malers Lucas Cranach unter. Hier lernt sie Martin Luther persönlich kennen. Trotz aller Widerstände werden die beiden ein Paar, heiraten. Ein katholischer Mönch und eine entlaufene Nonne – ein nie dagewesener Skandal.

Angst vor dem "Teufelsbalg"

Der Film zeigt leise, eindrücklich und intensiv, wie aus Katharina von Bora Katharina Luther wird. Die authentische Ausstattung und stimmungsvolle Atmosphäre machen für den Zuschauer Katharinas Sicht erlebbar. Kamerafrau Knapp erklärt: "Manchmal ist das Bild unscharf und man bekommt nicht die ganze Information." Und Regisseurin Julia von Heinz: "Die Zuschauer haben nie einen Wissensvorsprung vor unserer Hauptfigur." Auch Luther-Darsteller Striesow lobt die intensiven Dreharbeiten: "Wir kriechen mit der Kamera ja ins Schreibpult hinein."

So werden Stimmungen greifbar. Ängste. Wie die Katharinas, einen "Teufelsbalg" zu gebären. Oder der Wahnsinn, dem Luther nach dem Tod seiner Tochter Magdalena zu erliegen droht, als er sich manisch in seine Arbeitswut hineinbohrt.

"Katharina Luther" ist kein leichter Unterhaltungsfilm. Dafür beschreibt er viel zu intensiv, was die Menschen vor 500 Jahren bewegte. So authentisch, wie man eben das Bild jener Zeit zeichnen kann. Nicht wie Martin Luther die Kirche reformierte, steht hier im Mittelpunkt, sondern wie das Ehepaar Luther das Bild der Frau reformierte. Wie aus einem Kind, das von den Eltern im Kloster abgegeben wurde, eine mutige, zupackende Ehefrau, Beraterin, Geschäftsfrau und Mutter von sechs Kindern geworden ist. Es ist gut, dass man im Reformationsjahr 2017 auch ihrer gedenkt.

Luther und die Frauen

Die 30-minütige Doku "Luther und die Frauen" wird vom Ersten direkt im Anschluss an den Spielfilm gezeigt. "Energetisch, hochintelligent, besessen", so beschreibt Devid Striesow Martin Luther. Man könnte – ganz neudeutsch – Frauenversteher hinzufügen. Schließlich haben Luther und die Reformatoren das Frauenbild verändert. "Vor Gott sind alle Menschen gleich", propagierten sie in ihren Schriften. Sie stärkten das Bild der Hausfrau und Mutter, forderten aber auch, dass Mädchen Schulen besuchen.

Luther selbst hat Katharina als Alleinerbin eingesetzt, bestimmte sie als Vormund für die Kinder nach seinem Tod. Damals ein Novum. Gabriele Rose beschreibt in ihrer Doku "Luther und die Frauen" aber auch den Kampf der Äbtissin Caritas Pirckheimer, die sich gegen die Zwangseinführung der Reformation in ihrem Nürnberger Kloster wehrte – vergeblich.

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