Norbert Ortner

Norbert Ortner spielte bereits an der Seite von Stars wie Katharina Böhm oder Christian Tramitz. Dabei hat er erst mit 28 die Ausbildung abgeschlossen und wollte eigentlich nie Schauspieler werden.

Freundchen: Polizist Mohr (Max Müller, l.) und Spurensicherer Kammermayr (Tommy Schwimmer, M.) nehmen die Personalien von Gerhard Waitl (Norbert Ortner) auf

Plötzlich Schauspieler

"Ein Kollege, wie ich ihn mir wünsche", das sagt Max Müller alias Polizist Michi Mohr über seinen Drehpartner Norbert Ortner am Set der "Rosenheim-Cops". Ortner steht als Mordverdächtiger vor der Kamera. Er spielt den Ex-Freund der toten Fahnenbraut eines Trachtenvereins, Mohr muss ihn festnehmen (großes Foto).

Liebe zum Beruf

"Ich liebe es und will nichts anderes machen", sagt Norbert Ortner. Natürlich meint er die Schauspielerei. Seit 2016 ist der freundliche junge Mann mit den kurzen roten Haaren und dem bayerischen Akzent ausgebildeter Schauspieler. Als Jugendlicher hat er überhaupt nicht an die Schauspielerei als Beruf gedacht, beim Schultheater wollte er gar nicht erst mitmachen.

Nach dem Abitur in Traunstein ging es erst mal hinter die Kamera. Mit 21 Jahren kam Ortner 2009 nach München. Begreifen, wie man Filme macht, das wollte er, "so ein Filmset als Ganzes und von Grund auf verstehen". Das bedeutete dann natürlich erst mal Praktika machen und vor allem, Mädchen für alles zu sein: Wohnmobil fahren, Kaffee kochen, mit Warnweste auf der Straße stehen und sich von den Autofahrern beschimpfen lassen. Später hat er als Beleuchter und auch als Regieassistent gearbeitet. Filmemacher wollte er werden, Schauspieler nicht.

Über Nacht im TV

Dann kam das Schlüsselerlebnis. Bei der bayerischen Krimiserie "Hubert und Staller" war Ortner Script-Assistent. Er hatte das Textbuch immer dabei und kannte die Dialoge. Als ein Nebendarsteller fehlte, ist er eingesprungen und hat die Szene für die beiden Kommissare angespielt. Christian Tramitz, der den Polizeiobermeister Franz Hubert spielt, war sofort begeistert.

"Keine Ahnung, ob Schicksal oder Zufall. Drei, vier Tage später lese ich, dass die Schauspielschule Zerboni Schüler sucht", sagt Norbert Ortner. Das war 2013. Die Klasse war eigentlich schon voll besetzt, trotzdem gab es ein Vorsprechen und gut drei Wochen nach dem Schlüsselerlebnis bei "Hubert und Staller" kam die Zusage. Norbert Ortner lässt sich Zeit mit seinen Antworten und denkt genau nach, bevor er etwas sagt: "Ein echter Glücksfall. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es viele Talente gibt, die seit der Schulzeit probieren, auf die Schulen zu kommen."

Zurück in die Schule

Hektisch geht es zu in den Räumen der Zerboni Schauspielschule in der Nähe der Münchner Theresienwiese. Tanzen, Stimmbildung und natürlich Proben stehen auf dem Programm. Die Studenten kennen Norbert Ortner hier noch gut. Immer wieder kommen ehemalige Kollegen auf ihn zu und schütteln ihm die Hand oder umarmen ihn: Wie einen, der es geschafft hat. Im Flur hängen noch Fotos, auf denen Ortner zu sehen ist.

Die Zerboni ist Münchens älteste private Schauspielschule. Stars wie Hans Clarin, Monika Gruber oder Michael Mittermeier haben hier ihr Handwerk gelernt. Eine Besonderheit ist die angeschlossene Agentur. Die vermittelt die Nachwuchsschauspieler bereits während der Ausbildung in Jobs. Sebastian Gerold, Künstlerischer Leiter der Schauspielschule und Chef der Agentur hat auch Norbert Ortner bereits während der Ausbildung vermittelt: "Was Norbert auszeichnet ist sein Aussehen in Kombination mit Spieltalent und Fleiß", sagt Gerold.

Norbert ist ein spezieller Typ: kein Schönling und nicht gertenschlank, aber ein Typ, an den man sich erinnert. Kurze rote Haare und ein gepflegter Bart. Ein bisschen älter als er eigentlich ist, sieht er mit seiner modischen Stoffhose und dem dunkelblauen Hemd aus. Es hilft, wenn man ein spezielles Erscheinungsbild hat und sich von der Masse der Mitbewerber unterscheidet. Weniger Angst muss man dann haben, dass einem die Kollegen die Rollen wegschnappen: "Wenn Sie einen Rothaarigen mit Oberlippenbart und leichten Geheimratsecken wollen, dann habe ich gute Chancen", sagt Norbert Ortner und lacht.

Mit Matthias Brandt und Katharina Böhm vor der Kamera

Trotzdem ist der Beginn einer Schauspielkarriere nicht leicht. Viele junge Schauspieler müssen kellnern oder andere Jobs machen, um sich über Wasser zu halten. Die Schauspielschule kostet so viel wie ein gut ausgestatteter Kleinwagen, die Konkurrenz ist groß und die Gagen sind klein. Doch für Norbert Ortner läuft es sehr gut im Moment. Direkt nach der Ausbildung hat er ein Theaterengagement für 50 Vorstellungen in Sommerhausen bekommen und auch Drehtage hat er genug.

Zuletzt unter anderem für den Münchner "Polizeiruf" mit Matthias Brandt. Was ihn besonders freut, seine Rollenfigur in der Krimiserie "Die Chefin" mit Katharina Böhm entwickelt sich und hat sogar einen Namen bekommen: Andi heißt der Kriminaltechniker in Zukunft.

Große Ziele

Zweifel sind trotzdem manchmal ein Begleiter, die Schauspielerei ist ein unsicheres Geschäft. Wer weiß was nächstes Jahr ist? Wer weiß, was in zehn Jahren ist? Das sind Fragen, die sich junge Schauspieler stellen müssen, die immer wieder auf neue Rollen angewiesen sind. Auch Norbert Ortner. Sein Rezept gegen die Unsicherheit ist disziplinierte Arbeit: "Ich arbeite sehr viel und probiere Sachen aus. Körperarbeit, Monologe, Drehbücher, Regie."

Die nächsten Schritte hat Norbert Ortner klar vor Augen: "Mein Ziel sind größere Rollen, etwas Tragenderes". Als nächstes Projekt steht eine Rolle in einem neuen Serienpiloten an, die Details sind noch geheim. Bereut hat Norbert Ortner die relativ späte Entscheidung, Schauspieler zu werden nie. Im Gegenteil, er ist mit echter Leidenschaft dabei:  "Ich habe mir vor zehn Monaten geschworen: Ich mache nichts anderes mehr. Ich lebe von der Kunst." 

 

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