Kritik: Prinz Hollywood – Frédéric von Anhalt

Hinter der Fassade

Die Doku "Prinz Hollywood – Frédéric von Anhalt" zeigt den polarisierenden Prinzen unerwartet authentisch.

Schöner leerer Schein

Ein Jahr lang hat die Dokumentarfilmerin Nicola Graef Frédéric Prinz von Anhalt (Foto, r., mit Kevin Spacey) mit der Kamera begleitet. Wer sich von ihrem Film eine Bloßstellung des polarisierenden, dampfplaudernden Klatschspalten-Prinzen erwartet hat, wurde enttäuscht. Graef versucht nicht, das umstrittene Objekt ihrer Beobachtungen der Lächerlichkeit preiszugeben. Vielmehr sucht sie nach dem wahren Menschen hinter einer Fassade, die im Laufe der Jahre immer protziger, exzentrischer - aber auch zerbrechlicher geworden ist.

Zugegeben, lächerlich macht sich der gute Frédéric, der seinen Adelstitel durch Adoption erlangte und selbigen nun gegen Bares weitergibt, oft ganz allein. Graef folgt dem Protz-Prinzen zu Hollywood-Events, wo er sich nur allzu gern mit Stars fotografieren lässt, bei Spazierfahrten durch Beverly Hills, zum Einkaufen - und erhält bei diesen Gelegenheiten unerwartet reflektierte Einblicke.

Ehemann von Zsa Zsa Gabor

In jenen kurzen, ehrlichen Momenten kommt hinter der grellen Fassade ein trauriger Mensch zum Vorschein, dem durchaus klar ist, dass ein Großteil dessen, was er nach Außen ausstrahlt, eine Lüge ist. Und trotz juristischer Schlammschlachten und Skandal-Schlagzeilen ist man fast wider Willen erstaunt, wie unerwartet authentisch Frédérics Gefühle für seine bettlägerige Frau, die einstige Film-Diva Zsa Zsa Gabor, sind

Autor: Kristin Lenk

18.8.2016, 0.00 Uhr

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