Kritik: Peace ‘n‘ Pop (Arte)

Kuschelkurs

Zweiteilige Dokumentation, die den Zusammenhang zwischen Friedenskampf und Pop erläutert. Auch Musiker der Gegenwart (wie Clueso) kommen zu Wort.

Friede, Freude ... Blumenkinder 

Hach, waren das noch Zeiten: Als The Mamas and the Papas das Hippie-Motto "Love, Peace und Happiness" unters friedensmäßig bewegte Volk brachten. Als ein blutjunger Bob Dylan seine Antwort revoluzzermäßig in den Wind klampfte. Oder als im Frankreich der 1950er-Jahre ein Boris Vian Landsleute mit seiner Pazifistenhymne "Le déserteur" auf die Barrikaden brachte. Und es ist so richtig wie wichtig, dass der Kultursender Arte diesen Zusammenhang herstellt: zwischen Musik und ihrer Bedeutung als Gegenmodell zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Per Doku (Christian Bettges) im diesjährigen Themen-"Summer of Peace".

Stimmige Songs, aber das Gefühl für den Zeitgeist fehlt

Aber ganz ehrlich? Das gab es bei Arte schon besser. Natürlich ist der tiefgreifende Wandel, den die Initialzündung des popkulturell bewegten Pazifismus in der Gesellschaft auslöste, längst Geschichte. Aber um sich wenigstens musikalisch auf den Zeitgeist einzustimmen, werden seine Kultsongs viel zu kurz angespielt. Und einer Handvoll Musikern der Gegenwart und ihren Statements kommt höchstens Alibifunktion zu. Auch Einblendungen historischer Aufnahmen aus Vietnam, Korea oder von anderen Kriegsschauplätzen bleiben seltsam distanziert. Vom Feeling des Rock‘n‘Roll als Ausdruck für Lebenslust im Schatten der Bombe keine Spur. Aber nichts für ungut: Peace, brother!

10.8.2015, 0.00 Uhr

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