Kritik: Nacht der Angst

Das TV-Drama "Nacht der Angst" erzählt eine unpathetische Geschichte zu einem wichtigen Thema: der Geburtshilfe

Die Zukunft der Hebammen

Eine natürliche Geburt in der Obhut einer Hebamme oder eine Niederkunft im kühlen Krankenhaus, aber umgeben von Ärzten? Die Meinungen gehen bei dieser Frage weit auseinander. Die Zukunft der Hebammen ist ein aktuelles, wichtiges Thema, denn der Beruf ist im Aussterben begriffen.

Aufgrund der seit 2014 extrem gestiegenen Kosten für die Haftpflichtversicherung freiberuflicher Geburtshelferinnen mussten bereits viele aufgeben. Sie stehen unter Druck, finanziell wie emotional. Das - und das generelle Risiko einer Schwangerschaft und Geburt - vermittelt auch das TV-Drama von Gabriela Zerhau eindringlich und ohne Pathos.

Ohne moralischen Zeigefinger

Die Hauptfigur, die spröde Hebamme Emma (Nina Kunzendorf ), liebt ihre Arbeit und setzt all ihre Kraft in sie. Sie ist keine Heilige, unterstellt etwa allen Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, einen psychischen Knacks. Als die Risikoschwangere Sesha nicht, wie von Emma geraten, ins Krankenhaus fährt, sondern zu ihr ins Geburtshaus kommt, gibt es Komplikationen, das Kind kommt behindert zur Welt.

Gegen Emma wird Anklage erhoben, es kommt zum Prozess - der als Rahmenhandlung des Films fungiert. Ohne moralischen Zeigefinger facht "Nacht der Angst" durch eine Geschichte, wie sie sich jederzeit zutragen kann, eine wichtige und brisante Diskussion an.

2.12.2015, 0.00 Uhr

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