Kritik: Polizeiruf 110: Sumpfgebiete

Als Kommissar Hans von Meuffels legt sich Matthias Brandt im neuen "Polizeiruf 110" mit dem Freistaat Bayern an.

Zu tief drin

Ein empathisches Kerlchen war Kommissar Hans von Meuffels (Matthias Brandt) ja schon immer. Diesmal hat er sich aber eindeutig zu tief in den Fall hineingefühlt. Seine Seelenverwandte - Barbara Auer - war in der aktuellen Episode leider nicht bremsend mit von der Partie. Also flog dem Sturkopf das Wespennest, in dem er ermittlungstechnisch herumstocherte, ganz schnell um die Ohren: Schwarzgeld im großen Stil, eine CD mit Steuersündern. Mitwisser, die um- oder in die Psychiatrie gebracht wurden. "Zefix, da verstehen auch die Bayern keinen Spaß mehr!"

Unter Freunden

Für Meuffels hieß das: Er gegen den Freistaat, das Finanzamt und das LKA. Und leider auch gegen seinen Freund und Chef (bisher recht sympathisch: Ulrich Noethen), der ganz tief mit drinhing. Meisterhaft schon die Vorlage zu diesem Verfolgungs- und Paranoia-Thriller durch die Autoren Volker Einrauch, Holger Karsten Schmidt und Regisseurin Hermine Huntgeburth.

Ein so ästhetisch wie hypnotisch gemachter Film, irgendwo angesiedelt zwischen der brisanten Kino-Doku "Mollath - und plötzlich bis du verrückt" und Francis Ford Coppolas Klassiker "Der Dialog". Schade nur für Matthias Brandts Ermittlerfigur, die auch physisch diesmal ordentlich was abbekam: Seine Karriere an der Isar kann der Preuße unter diesen Vorzeichen wohl knicken.

28.11.2016, 0.00 Uhr

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