Kritik: Der letzte Kronzeuge – Flucht in die Alpen

Fast richtig gut

Oliver Kinser

Eine Polizistin kämpft allein gegen die Mafia und korrupte Kollegen, nebenbei auch noch gegen ihr unbefriedigendes Liebesleben und ihre verkorksten Verwandtschaftsverhältnisse. Eigentlich ein Wunder, dass noch Raum für ruhige Sequenzen bleibt. Die gehen vor allem auf Kosten der männlichen Stars (Sarbacher, Knaup, Duken und Lukas), die sich mit ungewohnt wenigen Kameraminuten begnügen müssen. Gut genutzt hat seine kurze Zeit zumindest Justus von Dohnányi: Er spielt einen stoischen Profikiller in bester Javier-Bardem-Manier.

Weitere Höhepunkte hat der Film dank Lisa Maria Potthoffs reifer Leistung als emotional eher unreife Polizistin Sarah. Die muss sich unfreiwillig um den titelgebenden Kronzeugen kümmern, einen zehnjährigen Jungen. Wenn das Eis zwischen den beiden schmilzt, ist man auch als Zuschauer ergriffen.

Doch echte Sogwirkung entwickelt der Alpen-Mafia-Familienthriller nicht, dafür sind Handlung und Dialoge zu simpel gestrickt. „Ein jegliches hat seine Zeit“, erfährt Sarah von ihrem Opa, der auf seiner Alm offenbar nur darauf gewartet hat, seine Enkelin samt Kronzeugen zu beherbergen und mit Sinnsprüchen zu malträtieren. Und die Gerichtsszenen erinnern eher an Barbara Salesch als an ernsthafte Mafiafilme. Schade, mit etwas mehr Sorgfalt hätte es ein richtig guter Fernsehabend werden können.

18.2.2014, 0.00 Uhr

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