Kritik: Take Me Out

Herzblatt auf Speed

Martina Borgschulze

Ein Mann stellt sich 30 Frauen, und die entscheiden per Knopfdruck, ob der Kandidat als Objekt der Begierde für sie in Frage kommt – das ist die RTL-Variante eines Speed-Datings. Auf dem bisherigen Sendeplatz am Samstagabend verzeichnete das Format gute Quoten. Wer am Mittwoch die Show zum ersten Mal einschaltete, fragte sich allerdings: Warum? Ralf Schmitz, dem Flummi der deutschen Comedy-Szene, schaut man eigentlich gerne zu.

Doch in "Take Me Out" benimmt sich der Impro-König wie ein Animateur auf einer drittklassigen Kreuzfahrt. Heizt das Publikum armfuchtelnd an, mit ihm im Chor die Spielregeln zu brüllen ("Drückt ihr aus, seid ihr raus!"). Und reißt fade Herrenwitzchen. Dabei hat die Show durchaus ihre Momente. Etwa wenn die blonde Christina den Moderator beharrlich "Pupsi" nennt – und sich wundert, warum sie noch Single ist.

Oder wenn die Damen reihenweise die Lichter ausknipsen, nachdem James-Dean-Verschnitt Tobias erklärt hat, dass "über Kleidergröße 38 gar nicht geht". Womöglich ist "Take Me Out" in Wahrheit eine durchgeknallte Parodie auf die Kuppelshows der 90er? Also Ladys, wer soll eurer Herzblatt sein? Tobias aus Berlin, der mit seiner Zunge Fliegen fangen kann und es eher zierlich mag? Oder Tangün, der sich zu seinem Mops­paar "zwei weitere schöne Möpse" wünscht? Also, ich drück aus, ich bin raus.

 

7.8.2014, 0.00 Uhr

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