Kritik: Polizeiruf 110: Familiensache

Kerstin Joswig

Hatten wir an dieser Stelle ja länger nicht mehr: die gute alte Familienkiste. Dann aber auch gleich was für eine! Dass dem Rostocker Rüpelbullen Bukow das Pulverfass seiner gescheiterten Ehe eines Tages um die Ohren fliegen würde, war schon länger klar. Verlief aber noch zahm, verglichen mit dem titelgebenden Drama, das Eoin Moore (Buch und Regie) parallel dazu im Vordergrund inszenierte: die Chronologie einer grausamen Familientragödie. Um einen Psycho, der seine Sippe auslöschte, nachdem ihn die Frau verlassen hatte.

Grimmepreisträger Andreas Schmidt gab diesen durchgedrehten Typ mit einer "Bilderbuch-narzisstischen Störung" (O-Ton: Kollegin König) erschütternd echt. Ein Monstrum, für dessen Motivation man an den leisen Stellen im Film trotzdem ein gewisses Verstehen aufbringen konnte. Ist unsere moderne Gesellschaft doch an der Weichenstellung Richtung Lebensbankrott nicht ganz unbeteiligt. Gut, dass wenigstens Bukow den Kopf behielt. Auch wenn ihm Gattin Vivian am Ende die Koffer vor die Tür stellte, und er in den Wohnwagen umziehen musste. Ob der Streifschuss, den er seinem Nebenbuhler im hochdramatischen Finale verpasste, Absicht war? Damit werden wir leider bis zur nächsten Folge warten müssen. "Fuck", würde Frau König dazu sagen.

3.11.2014, 0.00 Uhr

TV-Kritik empfehlen