Kritik: Polizeiruf 110 - Angst heiligt die Mittel

Kein Erbauungskrimi

Nach einem langen Hin und Her bei der Programmplanung für den Neujahrsabend entschied sich das Erste für einen "Polizeiruf" aus Rostock, der allerdings leider nicht wirklich überzeugen konnte ...

Programmchaos

Spannend machten sie's beim Ersten mit der Programmplanung an diesem Neujahrsabend ja schon! Erst wurde der Dortmunder "Tatort: Sturm" wegen zu viel thematischer Nähe zum Terroranschlag in Berlin abgesetzt. Dann der Ersatz-"Tatort: Söhne und Väter" mit Pausenclown Devid Striesow: Weil der Film erst noch auf einem Festival im Saarland gezeigt werden soll.

Wilder Mix aus Rostock

Ein Glück, dass wenigstens die Rostocker noch rechtzeitig mit einem NDR-"Polizeiruf" aushelfen konnten. Erfreulicher war dessen Kernthema allerdings auch nicht: Wie geht eine Gesellschaft mit Sexualstraftätern um, die ihre Strafe verbüßt haben? Verpackt in einen Mix aus Vorurteilen, Misstrauen, Wild-Ost und Selbstjustiz in einer rabiaten dörflichen Gemeinschaft. Das Leben auf dem Lande ist eben auch nicht mehr das, was es mal war!

Deshalb packten Regisseur Christian von Castelberg (Buch: Susanne Schneider) noch schnell einen Fall von Kindesentführung und sich anbahnendem Kinderhandel oben drauf. Die finale Verfolgungsjagd des Sexgangsters durch Rüpelbulle Bukow und Frau König geriet allerdings arg dilettantisch: Mal eben schnell einen Flüchtigen mit dem PKW irgendwo entlang der polnischen Grenze zu suchen und ihn schnurstracks auf einem abgelegenen Bauernhof zu finden? Was'n Zufall!

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