Kritik: Tatort - Land in dieser Zeit

Lausig laue Lyrik

Schade, der Frankfurter "Tatort" zu den aktuellen Themen Gewalt gegen Flüchtlinge, Nationalismus und Rechtsradikalismus verliert vor lauter Lautgedichten die logischen Übergänge aus den Augen.

Ernst Jandl auf der Polizeiwache

Ach du dickes Ei: ein neuer Chef (Bruno Cathomas) für Frau Janneke und Kollege Brix? Kommissare, die im Dienst ständig Ernst Jandl zitieren? "Eile mit Feile" - "Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern, werch ein Illtum" - "Tohuwaboobaba, Tohuwabohuubaba, Tohuwabohuubaba, tohuwaboobaba"?

Die Sprachspiele des Wiener Lyrikers gehören zwar bereits seit den 70ern fest zum deutschen Kulturgut. Seine Lautmalereien den Frankfurter Ermittlern allerdings als ernstgemeinte Wortmeldungen in den Mund zu legen, ist kühn. Und vielleicht hätte man das mit zahlreichen Chorgesängen unterlegte "Tatort"-Experiment der Hessen ja noch durchgehen lassen können. Wenn im Gegenzug die realen Dialoge in den Befragungen, Verhören und Teambesprechungen nicht so lausig gewesen wären.

Brüchige Inszenierung

Vor lauter Lautgedichten haben die Autoren Khyana el Bitar, Dörte Franke und Stephan Brüggenthies offenbar die Handlung und logische Übergänge aus den Augen verloren: eine brandaktuelle, aber leider brüchig inszenierte (Regie: Markus Imboden) Geschichte zum Thema Gewalt gegen Flüchtlinge, Nationalismus und Rechtsradikalismus. Als Versuch, die Ausländerfrage filmisch einmal komplett zu abstrahieren gelungen. Als "Tatort" aber wohl eher ein Griff in - frei nach Jandl - "den rinnen". 

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