Kritik: Königin der Nacht

Im TV-Drama "Königin der Nacht" werden Silke Bodenbender und Peter Schneider als ehrenwerte Bio-Bauern von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Die Mutter als Escort-Dame

Sonnenstrahlen fallen durch Laubwerk, Vögel zwitschern, ein Kalb wird geboren - der Anfang des TV-Dramas "Königin der Nacht" lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Ehepaar Scholz (Silke Bodenbender, Peter Schneider) auf seinem Bio-Hof ein gutes, gerechtes Leben führt. Die beiden zitieren nach getaner Arbeit Brentano, und ihre Kinder starren nicht aufs Smartphone, sondern auf einen total analogen Kompass.

Nach fünf Minuten dieses idyllischen Overkills ist man als Zuschauer aufrichtig froh, dass sich Probleme einschleichen. Geldprobleme natürlich, denn der Dreckskapitalismus, vor dem die Scholzens aufs Land geflüchtet sind, holt sie in Form von Schulden wieder ein. Deshalb übernimmt die Mutter - was könnte auch näher liegen! - einen Job als Escort-Dame.

Ein unmoralisches Angebot

Mit dem Kontostand wachsen die Probleme, und bald diskutiert das Drama die üblichen Geschlechterrollen: Er ertränkt seine (finanzielle) Impotenz in Schnaps. Sie verwirklicht sich unter dem Künstlernamen "Lilith" (!) auch sexuell selbst. Spätestens, als ein reicher Freier auftaucht, verkommt "Königin der Nacht" zur Landliebe-Variante von "Ein unmoralisches Angebot". Dass die 90 Minuten überhaupt zu ertragen sind, liegt einzig an den Hauptdarstellern, die aus dem Drama die letzten Reste Glaubwürdigkeit herauspressen.

Autor: Martina Borgschulze

2.2.2017, 0.00 Uhr

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