Kritik: Katharina Luther

Ganz nah dran

Mit dem ungewöhnlichen Historienfilm "Katharina Luther" widmet sich Das Erste der starken Frau hinter dem Reformator Martin Luther.

Kein Hollywood-Pathos

Beim nächsten Luther-Film wird alles anders. Das hatten sich Regisseurin Julia von Heinz und ihr Team geschworen. Man wollte das Leben des Kirchenreformers aus einer Perspektive erzählen, die keinen Eingang in die Geschichtsbücher gefunden hatte. Weit weg vom Pathos à la Hollywood.

Dabei so nah an den Figuren, dass der Zuschauer das Leben im späten Mittelalter mit deren Augen sehen kann. Was lag da näher, als die Geschichte der Liebe zwischen Luther und seiner Frau zu erzählen? Und zwar ganz und gar aus ihrer Perspektive. Katharina von Bora, eine Persönlichkeit, die mindestens genauso spannend, stur und rebellisch war wie ihr Mann.

Feministisches Statement

Die Emanzipation lebte, lange bevor es das Wort überhaupt gab. Regisseurin Julia von Heinz will ihren Film denn auch als "feministisches Statement" verstanden wissen. Das mag ein wenig hochgegriffen sein. Sehenswert ist der Beitrag der ARD zum 500. Reformationsjubiläum allemal. Karoline Schuch ist eine bestechend trotzigkluge Katharina.

Devid Striesow, im wahren Leben bekennender Atheist, gibt glaubhaft einen Luther, der auch seine dunklen Seiten hat. Es ist eine düstere, karge Liebesgeschichte, die hier erzählt wird. Frei von Romantik, frei von Schauwerten. Das filmische Denkmal, das Luthers Frau hier gesetzt wird, der unverblümt-pragmatischen Katharina von Bora hätte es wohl gefallen.

Autor: Stefanie Moissl

24.2.2017, 0.00 Uhr

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