Kritik: Zarah - Wilde Jahre

Starke Vorstellung

Das ZDF macht mit der neuen historischen Journalistenserie "Zarah" fast alles richtig – bis auf den Sendeplatz.

Claudia Eisinger als "Zarah" (vorne)

Aktuelles Thema

Es gibt eigentlich nur eines, was an der neuen ZDF-Serie "Zarah - Wilde Jahre" bemängelt werden kann: der Sendeplatz. Offenbar soll das an Gätjen, Kerner und Co. gewöhnte Zuschauervolk mit dem unverfänglichen "Pubertier" (20.15 Uhr) zunächst in heitere Stimmung versetzt werden, bevor Claudia Eisinger alias Zarah Wolf - der Nachname eine typische ZDF-Kreation mit implizierter Charakterisierung - auf sie, auf die BRD der 70er-Jahre und besonders die überhebliche Männerwelt losgelassen wird.

Denn auch wenn ihre Geschichte amüsante Episoden bereithält, ist das beherrschende Thema doch ernst. Und überaus aktuell: der Kampf um Gleichberechtigung. Als neue stellvertretende Chefredakteurin soll Zarah einem Hamburger Magazin frische, weibliche Impulse geben. Allerdings interpretieren das ihre männlichen Kollegen vollkommen anders als sie, was schnell zu Konflikten führt.

Auf Konfrontation gebürstet

Eingebettet in Realaufnahmen aus den wilden 70ern, entfaltet die temporeiche erste Episode mit stimmigem Soundtrack glaubhaft die Atmosphäre einer männerdominierten Gesellschaft, in der selbstbewusste Frauen wie Zarah noch wie ein Fremdkörper wirken. Zugegeben: Es fällt nicht leicht, die auch im Freundeskreis etwas überheblich wirkende, ständig auf Konfrontation gerichtete Zarah sogleich zu mögen. Dieses Wagnis lohnt es sich jedoch einzugehen.

Autor: Csaba Lázár

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