Kritik: Der Polizist, der Mord und das Kind

Glanzleistung 

Das Drama "Der Polizist, der Mord und das Kind" glänzt mit einem starken Matthias Koeberlin als Opferschutzkommissar Benede.

Wenn der Vater die Mutter ...

"Wie geht eigentlich Vatersein?", möchte Kommissar Benede (Matthias Koeberlin) wissen. Alexander (Joshio Marlon) muss nicht lange überlegen: "Du musst mich ab und zu fragen, ob ich die Hausaufgaben gemacht habe, und mich ins Bett schicken, selbst, wenn ich noch fernsehen will." 

Man möchte kaum glauben, dass ein Junge mit solch trockenem Humor eben seine Mutter verloren hat - umgebracht vom eigenen Vater. Doch Alexanders Stärke ist nur Fassade, er ist schwer traumatisiert. Bei Opferschutzkommissar Carlos Benede, selbst im Heim aufgewachsen, findet der Elfjährige Halt. Zwischen den beiden entwickelt sich trotz schwieriger Umstände eine liebevolle Beziehung - aus der schließlich eine Adoption wird. 

Kleiner Hollywood-Star

Um die 100 Kinder pro Jahr müssen in ein Heim, weil ein Elternteil den anderen umbringt. Dass Alexander nicht an diesem Erlebnis zerbrochen ist, hat er einem außergewöhnlichen Menschen zu verdanken, dessen wahre Lebensgeschichte Johannes Fabrick einfühlsam verfilmt hat. Dabei kann er sich auf ein starkes Darsteller-Duo verlassen. Man merkt, dass Joshio Marlon trotz seines jugendlichen Alters große Kameraerfahrung hat: Er spielte etwa an der Seite von Claire Danes in der US-Serie "Homeland". Ein kleiner Hollywood-Star also, der in der Rolle einer gequälten Seele glänzt.

Autor: Florian Büttner

12.12.2017, 13.53 Uhr

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