Kritik: Ein Kind wird gesucht

Bittere Wahrheit

Die bittere Krimitragödie "Ein Kind wird gesucht" basiert auf einer wahren Geschichte aus dem Jahr 2010.

Vor der Haustür entführt

"Nach einer wahren Geschichte" verrät der Schriftzug im skandinavisch-düsteren Vorspann von "Ein Kind wird gesucht". Es ist die Geschichte des 10-jährigen Mirco aus Grefrath, der 2010 quasi vor seiner Haustür entführt und 145 Tage später, nach einer groß angelegten Suchaktion und einem Fernsehappell der Eltern, schließlich tot im Wald gefunden wurde. 

Nun haben das ZDF und Arte sein Schicksal verfilmt. Regie führte der Krimi-erprobte Urs Egger, Premiere feierte die Produktion auf dem Krimifestival "Tatort Eifel". Ein klassischer Kriminalfilm ist "Ein Kind wird gesucht" allerdings nicht. Es geht weniger um die Frage nach dem Täter als darum, was die Suche mit der Familie und den Ermittlern macht. 

Hadern mit Gott

Das Drehbuch basiert auf den Erinnerungen des Chefermittlers Ingo Thiel und Mircos Eltern Reinhard und Sandra Schlitter. Heino Ferch überzeugt als Thiel, die eindrucksvolleren Leistungen liefern aber Johann von Bülow und Silke Bodenbender als verzweifelte Eltern ab. Sie sind Mitglieder der Pfingstgemeinde, ihr Verhalten wirkt auf einige der beteiligten Polizisten zunächst befremdlich und naiv. Als klarer zu werden scheint, dass Mirco nicht mehr lebt, beginnen die Schlitters zunehmend, mit Gott zu hadern. Diese Auseinandersetzung mit dem Glauben ist ein weiterer spannender Aspekt des sehenswerten Films.

15.12.2017, 13.50 Uhr

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