Kritik: Die Puppenspieler

Der kleinste Nenner

Der ARD-Zweiteiler "Die Puppenspieler" reicht trotz namhafter Besetzung nicht an Tanja Kinkels Romanvorlage heran. 

Liebe auf den ersten Blick: Saviya (Helen Woigk) und Richard (Samuel Schneider)

Im Schatten der Buchvorlage

Nachdem seine Mutter als Hexe verbrannt worden ist, landet der junge Richard in der Obhut seines "Onkels" Jacob Fugger. Als er zum Mann reift, steht bald sein Herz in Konflikt zu den Plänen seines Ziehvaters.

Tanja Kinkels ebenso unterhaltsame wie spannende Romanvorlage zum ARD-Historien-Zweiteiler hat eigentlich alle Zutaten für einen Straßenfeger. Dumm nur, dass die Drehbuchautoren Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof Kinkels durchaus facettenreiches Porträt der Kaufmannsfamilie Fugger und ihrer Zeit auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzierten, den Charakteren jegliche Tiefe und Subtilität nahmen und dem Plot jegliche Raffinesse.

Bestes Beispiel: Jacob Fuggers Frau, eine im Roman einflussreiche und wichtige Figur, existiert in der Verfilmung nicht. Einzige prominente weibliche Identifikationsfigur ist somit die irrationale, klischeehaft sinnlich-freigeistige Zigeunerin Saviya.

Eindimensionaler Kostümfilm

Was von Kinkels Vorlage übrig bleibt, ist ein simplifiziertes, verkitschtes Mittelalter-Filmchen, das sich nur aufgrund der Besetzung knapp über "Wanderhuren"-Niveau hält. Herbert Knaup gibt den großen Manipulator Fugger mit dem Charisma einer Schrankwand, mehr war aus seinem eindimensionalen angelegten Charakter aber auch nicht herauszuholen. Einziger Lichtblick: Ulrich Matthes als listiger Rodrigo Borgia, der spätere Skandal-Papst.

Autor: Kristin Lenk

28.12.2017, 14.26 Uhr

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