Kritik: Der Kriminalist - Die offene Tür

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Der erste 90-minütige Einsatz für Christian Berkel als "Der Kriminalist" überzeugt auf ganzer Linie.

Drogensumpf "Kotti"

Seit rund elf Jahren ermittelt Christian Berkel als "Kriminalist". Nun geht er erstmals in Spielfilmlänge auf Verbrecherjagd: Am Kottbusser Tor sterben nacheinander jugendliche Drogensüchtige. Ein Fall für die Statistik, findet der Gerichtsmediziner. Doch Bruno Schumann (Berkel) sieht wie immer die Menschen hinter den Opfern.

Der Kriminalist forscht im Milieu nach - und hört von einem Mann, der den Junkies in kalten Nächten eine "offene Tür" anbietet. Ist der Kerl ein Wohltäter? Oder ein Serienkiller? Diese seltsame Gestalt, die durch die Nacht streicht wie ein Todesengel, jungen Männern beinahe zärtlich die geschundenen Füße verarztet und Schubert-Lieder hört, hätte leicht zur Karikatur verkommen können. Doch Ulrich Noethen spielt diesen Getriebenen mit der nötigen Zurückhaltung.

Gelungenes Serienspecial

Ohnehin bricht der von Züli Aladag ("Wut") inszenierte Krimi sorgfältig jedes Klischee, das das Genre zu bieten hat. So hält der Film über 90 Minuten die Spannung - nicht selbstverständlich bei solchen Serienspecials - und geht unter die Haut. Was vor allem am erst kürzlich mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichneten Nachwuchsschauspieler Leonard Kunz liegt. Dessen Darstellung des Junkies Max ist bis an die Schmerzgrenze authentisch. Dass das Ende des Krimis dann wie ein Märchen anmutet - geschenkt! Es war ja schließlich gerade erst Weihnachten.

Autor: Martina Borgschulze

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