Kritik: Ein Engel verschwindet

Das übliche Muster

Die französische Miniserie "Ein Engel verschwindet" enttäuscht mit Küchenpsychologie und schwacher Synchronisation.

Ein Kind als Mörder

Ein Verbrechen, das über 30 Jahre nachwirkt. Eine junge Frau, die mit ihrer Schuld hadert. Ein Dreiteiler, der sich in den üblichen Mustern verliert. Doch der Reihe nach: "Ein Engel verschwindet" ist das ambitionierte Projekt der Regisseurin Laetitia Masson, in drei einstündigen Episoden von den Folgen einer scheußlichen Tat zu erzählen, die das Leben mehrerer Menschen nachhaltig beeinflusst.

Am Anfang steht die Übersprunghandlung der zehnjährigen Aurore, die aus Hunger und Wut ein Nachbarskind tötet. Während die Polizei mit der Suche nach der (noch) unbekannten Täterin beginnt, erzählt die erste Folge der französischen Miniserie vom entbehrungsreichen und tristen Alltag des Mädchens, deren Mutter ihr außer Strenge und Vernachlässigung nichts zu bieten hat.

Lieblose Synchro

Die Aussage ist klar: Böses gebiert Böses. Noch ärgerlicher als solch einfache Küchenpsychologie sind jedoch die einzelnen Nebenstränge und -charaktere, die nach bewährten Mustern verlaufen bzw. handeln und somit - zumindest in Folge eins - kaum Spannung generieren.

Die überraschend lieblose Synchronisation verstärkt zudem den Eindruck, dass die Sprecher der deutschen Fassung schon im Tonstudio vor Langeweile und Desinteresse beinahe von Stuhl fielen und nur mit Mühe die Dialoge fertigstellen konnten. Das gilt für das Schreiben dieser Rezension übrigens ebenso.

Autor: Csaba Lázár

12.1.2018, 17.18 Uhr

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