Kritik: Der namenlose Tag

Der Todesbote

Mit dem Krimidrama "Der namenlose Tag" ist dem ZDF ein Volttreffer gelungen: Regie führte Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff nach einer Vorlage von Friedrich Ani.

Volltreffer für das ZDF

Da hat das ZDF tatsächlich so etwas wie einen kleinen Coup gelandet: Volker Schlöndorff, der 1980 für seine "Blechtrommel"-Adaption einen Oscar bekam, inszeniert einen Primetime-Krimi. Aber natürlich ist "Der namenlose Tag" kein gewöhnlicher Krimi, sondern - ganz Schlöndorff - eher eine ziemlich anspruchsvolle Literaturverfilmung. Die Romanvorlage stammt von Krimi-Vielschreiber Friedrich Ani ("Tabor Süden"), 2016 wurde sie mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Feinfühlig und grandios gespielt

Der eigentümliche Ermittler Jakob Franck (grandios verkörpert von Thomas Thieme) ist so etwas wie ein Todesbote. Als Kommissar musste er Hinterbliebene über das Ableben von Angehörigen informieren. Jetzt ist er pensioniert, doch die Toten lassen ihm noch immer keine Ruhe. Ludwig Winther (Devid Striesow) gibt ihm die Schuld am Tod seiner Frau Doris (Ursina Lardi). Sie brachte sich um, nachdem Franck ihr die Nachricht vom Selbstmord ihrer Tochter Esther übermittelt hatte.

Altmeister Schlöndorff war sich zu Beginn gar nicht sicher, ob er so etwas überhaupt könnte: einen Primetime-Krimi für ein breites Publikum drehen. Doch der Roman hat ihn auf Anhieb überzeugt: "Ani erfindet nicht, er beobachtet, das spürt man seinen Figuren an." Das sieht man auch der feinfühligen filmischen Umsetzung an.

Autor: Björn Sommersacher

6.2.2018, 16.54 Uhr

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