Chaos-Queens: Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

Herzkino ohne Herz

Die dritte Kerstin-Gier-Verfilmung mit Margarita Broich, Thomas Heinze im ZDF ist anders als die üblichen "HerzKino"-Filme: mehr Komödie als Romanze. 

Mehr Komödie als Romanze

Amelie (Margarita Broich) bereitet sich fröhlich auf ihren 30. Hochzeitstag vor. Doch als sie nach Hause kommt, liegt ihr Mann tot im Garten. Ein Schock – auch für Tochter Lou (Maria Ehrich), die nach langer Abwesenheit gerade auf dem Weg in ihr Elternhaus war, um sich vom Vater einen Rat wegen ihrer ungeplanten Schwangerschaft zu holen. Ihre Mutter ist da keine große Hilfe.

Die dritte Verfilmung eines Kerstin-Gier-Bestsellers macht – der traurigen Ausgangslage zum Trotz – klar, dass sie anders sein will als die üblichen "Herzkino"-Filme. Nämlich mehr Komödie als Romanze. Deshalb wird tüchtig mit den Augen gerollt, sehr viel gestikuliert und in jede Szene eine Pointe gezwängt. Etwa, als ein Verwandter die trauernde Amelie mit den Worten tröstet: "Sieh's mal so, jetzt hast du wieder Zeit für dich." Und ihr umgehend eine Diät empfiehlt.

Da fehlt das Herz

Leider vergessen die Macherinnen (Regie: Vivian Naefe; Drehbuch: Sarah Palma, Ira Wedel) dabei, dass selbst die irrwitzigste Screwball-Komödie zwischen den Gags immer auch Raum für Emotionalität lassen muss. Denn andernfalls ist es dem Zuschauer herzlich egal, ob die Witwe den Pfarrer (Thomas Heinze) rumkriegt. Oder ob die Tochter den putzigen Anhalter (Vladimir Burlakov) ihrem karrieregeilen Freund vorzieht. "Herzkino" ohne Herz? Braucht man nicht.

Autor: Martina Borgschulze

19.2.2018, 16.10 Uhr

TV-Kritik empfehlen