Kritik: Gefangen - Der Fall K.

Unglaublich, aber wahr

Mit dem Drama "Gefangen - Der Fall K." hat Hans Steinbichler den Justizskandal um Gustl Mollath verfilmt – und die Hauptrolle mit Jan Josef Liefers passend besetzt. 

Bitterer Nachgeschmack

Siebeneinhalb Jahre wurde Gustl Ferdinand Mollath in der geschlossenen Psychiatrie festgehalten. Er leide unter Verfolgungswahn, steigere sich in Verschwörungstheorien, er sei eine "Gefahr für die Allgemeinheit". Allerdings erwies sich eine seiner vermeintlich kruden Theorien als wahr: Dass seine Frau in krumme Geschäfte verwickelt war. 2014 wurde Mollath freigelassen. Ein bitterer Nachgeschmack aber blieb.

2320 Tage Psychiatrie

Hans Steinbichler verfilmte nun die wahre Geschichte dieses Justizskandals. In die Rolle Mollaths – im Film Wastl Kronach getauft – schlüpft Jan Josef Liefers. Ein weniger bekanntes Gesicht hätte die Authentizität des Dramas vielleicht gefördert. Doch Liefers' Neigung zum Overacting passt durchaus zu diesem Kronach, der beständig auf alles und jeden überreagiert. Je mehr Kronach sich zur Wehr setzt, je verbissener er gegen seine Frau ermittelt, desto verrückter wirkt er auf seine Umwelt.

Ausführlich zeichnet der Film die privaten und juristischen Vorgänge nach, die schließlich zur Einweisung in die Psychiatrie führen. Auch wenn er – klugerweise – nicht zeigt, was tatsächlich zwischen den Eheleuten geschah. Die Sympathien jedenfalls lenkt der Film auf seine Hauptfigur. Nach 2320 Tagen kommt Kronach frei. Und ist es doch nicht: "Meine Person ist ausradiert. Es ist, als hätte ich nie gelebt."

Autor: Martina Borgschulze

23.2.2018, 14.16 Uhr

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