Kritik: Südstadt

Kollektive Krise

Ein Haus, drei Pärchen und ein Haufen Probleme: Der ZDF-Ensemblefilm "Südstadt" ist gut besetzt und erschreckend nah an der Realität.  

Fernsehfilm-Perle

Matti Geschonnecks Ensemblefilm "Südstadt" beginnt, wie das ein ZDF-Film gerne manchmal tut: Drei befreundete Pärchen, die im gleichen Haus wohnen und sich zum Essen treffen – Krisenstimmung an allen Fronten inklusive.

Als Zuschauer denkt man sich: Kennt man. Probleme, amouröse Verwicklungen und dann retten sich doch alle Beteiligten wieder in ein Happy End. Hier nicht, so viel wird schnell klar. Es geht um Beziehungsprobleme, aber es geht auch um verunglückte Lebensläufe einer Generation, die mal die Versprechen der 68er einlösen wollte.

Pornos statt Uni-Karriere

Da wären zum Beispiel Soziologe Martin (Matthias Matschke) und Pädagogin Anne (Anke Engelke): Sie hat eine Affäre mit ihrem Kollegen, er belügt sie seit Monaten darüber, dass er seine Uni-Karriere in den Sand gesetzt hat und lieber Pornos konsumiert. Bewerben? Fehlanzeige, Martin kann einfach kein "neoliberal rundgelutschtes Zäpfchen im Arsch des Kapitalismus" sein.

Derlei Bedenken hat Saskia (Bettina Lamprecht) nicht. Sie will nach einer Babypause endlich wieder arbeiten und "bei den Erwachsenen mitspielen". Das geht natürlich zu Lasten ihrer Familie und führt zu einer ziemlich drastischen Entscheidung. Fazit: Großartiger Ensemblefilm mit erschreckend lebensnahen Figuren und Dialogen, der – wie auch Lamprecht findet – "Fragen aufwirft".

Autor: Björn Sommersacher

27.2.2018, 16.43 Uhr

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