Kritik: Winnie

Vergessene Heldin

Die preisgekrönte Doku über Winnie Mandela lässt Freunde und auch Gegner der südafrikanischen Polit-Aktivistin zu Wort kommen.

Ikone des Befreiungskampfes

Die Gräben, die das Volk Südafrikas einst spalteten, spiegeln sich in Winnie Mandelas zerfurchtem Gesicht. Wenn die 81-Jährige von den Gräueln des Apartheid-Regimes und eigenen Schicksalsschlägen spricht, blitzt in ihren Augen jene Unbeugsamkeit auf, die ihre Gegner fürchteten.

Viele Male saß die Ikone des Befreiungskampfes im Gefängnis, von ihrer Familie isoliert – ihren Willen konnte das nicht brechen. "Wenn sie meiner Mutter sagten, sie solle etwas lassen, dann machte sie es erst recht", so Winnies Tochter.

Schillerndes Geschichtsdokument

Untermalt von Archivaufnahmen, privaten Fotos und Interviews zeichnet Pascale Lamche den Lebensweg Winnie Mandelas nach. Er zeigt die Polit-Aktivistin als Kämpferin, aber auch als tragische Figur: Intrigen und Ränkespiele drängten sie in den Übergangsjahren nach der Apartheid ins politische Abseits. Sogar ihr eigener Mann, für dessen Freilassung sie sich jahrelang stark gemacht hatte, wandte sich von ihr ab – was einen Schatten auf die Lichtgestalt Nelson Mandela wirft.

Zu Wort kommen nicht nur Winnies Vertraute, sondern auch einstige Feinde. So erzählt der Ex-Geheimdienstchef Südafrikas mit süffisantem Lächeln, wie er die Politikerin durch gezielten Rufmord zu Fall brachte. Das schillernde Geschichtsdokument wurde zu Recht beim Sundance Festival 2017 gefeiert und gewann dort den Regiepreis.

Autor: Florian Büttner

7.3.2018, 14.29 Uhr

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