Kritik: Gladbeck

54 Stunden

Im TV-Drama "Gladbeck" wird in drei Stunden das Geiseldrama aus dem Jahr 1988 nacherzählt. Erschreckend authentisch und dank toller Besetzung auch ehrlich emotional. 

Express-Reporter Udo Röbel (Arnd Klawitter, r.) vorm Einstieg in das Auto der Geiselnehmer.

180 Minuten Spannung

Das muss ein Film erst mal leisten: 180 Minuten lang die Spannung aufrechterhalten, obwohl er eine Geschichte erzählt, von der jeder weiß, wie sie ausgeht. Vor 30 Jahren hat das Geiseldrama von Gladbeck die Öffentlichkeit in seinen schauerlichen Bann gezogen, jetzt wurden die Ereignisse filmisch aufgearbeitet. Tatsächlich ist der Zweiteiler "Gladbeck" ein Drama, das ob des realen Hintergrundes eine totale Fassungslosigkeit hinterlässt. 

Wie konnten sich so viele Pannen im Polizeiapparat aneinanderreihen? Wie konnten die Medien so nah ans Geschehen kommen, es so zum öffentlichen Spektakel machen? Drehbuch, Regie, Produktion haben das alles mit großer Akribie verarbeitet und abgebildet. Der dokumentarische Charakter landet beim entsetzten Zuschauer einen Wirkungstreffer nach dem anderen.

Zwei bewegende TV-Abende 

Die Schauspieler? Erstklassig. Sascha Alexander Gersak und Alexander Scheer sind als Rösner und Degowski fast unheimlich authentisch. Ulrich Noethen, August Zirner oder Martin Wuttke geben dem völlig versagenden Polizeiapparat die hilflos-verzweifelten Gesichter. In 180 Minuten werden 54 Stunden brutale Wirklichkeit erzählt. Aus der Sicht der Täter, der Polizei, der Geiseln und ihrer Familien. Letztere liefern die emotionalen Höhepunkte zweier bewegender Fernsehabende.

Autor: Andreas Herden

9.3.2018, 6.00 Uhr

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