Kritik: Anne With an E

Düstere Pippilotta

Auch die zweite Staffel der Netflix-Serie "Anne with an E" zeigt wieder Sonnen- und Schattenseiten des Lebens des bezaubernden Waisenmädchens Anne.

Zwei Seiten

Auch Zuschauer, denen der Roman "Anne von Green Gables" von Lucy Maud Montgomery nicht bekannt ist, erkennen auf Anhieb, dass Astrid Lindgren bei der Erschaffung der Pippi Langstrumpf davon inspiriert war. Seit Freitag ist die 2. Staffel der Serien-Adaption "Anne with an E" bei Netflix abrufbar. 

Schon die ersten Szenen der Auftaktfolge zeigen die Waise (toll: Amybeth McNulty) als Naturkind, das voller Lebenslust die Stimmen und Geräusche des Waldes und seiner Bewohner dirigiert, als wären sie ihr Orchester. Anne lebt aufmerksam, mit jeder Faser ihres Körpers – jeder Achtsamkeits- und Waldbadejünger könnte von ihr noch etwas lernen. 

Flashback

Rückblicke und Erinnerungsfetzen zeigen wie schon in Staffel eins, wie unmenschlich das Mädchen in früheren Pflegefamilien behandelt wurde. Ein guter Einfall, sie in dieser Zeit mit "Jane Eyre", einem Meisterwerk der emanzipatorischen Frauenliteratur, Bekanntschaft machen zu lassen, dessen Protagonistin viel Ähnlichkeit mit ihr selbst hat: eine wissbegierige, junge Frau, die ihr Ziel und ihren Lebensinhalt nicht in einer Heirat sieht – und sich gleichzeitig romantischen Träumereien hingibt. 

Anne macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Doch anders als bei Pippi Langstrumpf ist ihre Welt düster und nicht von guten Menschen bevölkert. Was sie noch bitter lernen wird. 

Autor: Susanne Bald

9.7.2018, 13.40 Uhr

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