Kritik: Der große Rudolph

Sein und Schein

"Der große Rudolph" soll zwar eine Parodie auf die schnöde Münchner Modewelt rund um Rudolph Moshammer sein, lässt dabei aber auch einen Hauch von Drama mitschwingen.

Ein Original

Rudolph Moshammer war die wohl schillerndste Figur der Münchner Schickeria der 80er-Jahre. Der Modemacher inszenierte sich als moderner "Kini Ludwig", der dem Volk durch die Fenster seiner Edelboutique oder seines Rolls Royce königlich zuzuwinken pflegte. Eine Figur wie aus einer Satire von Helmut Dietl. 

Nicht zufällig erinnert Alexander Adolphs Film "Der große Rudolph" stark an die Serie "Kir Royal" von 1985, in der Dietl der Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft den Spiegel vorhielt. Dudu, Funki, Buschi: Selbst die Namen einiger Figuren klingen Dietlesk. 

Ein Hauch von Drama

Nur: Wem möchte Adolph den Spiegel vorhalten? Die Szene, die Typen, die er karikiert, existieren so nicht mehr. Zum anderen ist die am überzogensten wirkende Figur, Moshammer, ja die einzig wahre, auch wenn die Episode, die der Film behandelt, freilich frei erfunden ist. 

"Der große Rudolph" ist vielmehr als Drama denn als Satire sehenswert. Thomas Schmauser wird eins mit Moshammer. Er übernimmt dessen Sprachduktus, ohne die leibgewordene Karikatur zu ebensolcher verkommen zu lassen. Das muss man erst einmal schaffen. Auch Mosis zerrissene Identität scheint durch: in Interaktion mit Übermutter Else (toll: Hannelore Elsner), aber besonders bei seinen nächtlichen Fahrten im Rolls Royce, die sein bitteres Ende vorhersagen.

Autor: Susanne Bald

19.9.2018, 14.00 Uhr

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