Kritik: Verliebt in Masuren

Kapitän ohne Kurs

Die Komödie "Verliebt in Masuren" punktet vor allem durch flotte Figurenkonstellationen und tolle Landschaftsaufnahmen.

Komödie von Grass Junior

"In Deutschland ist kalt wie Kühlschrank", so Pflegerin Roza (Lina Wendel) über die Familienverhältnisse bei ihrem Patienten Kurt (Hans-Uwe Bauer) in Hamburg. In Masuren ist das anders. Dorthin "verschleppt" die resolute Roza ihren mürrischen Patienten, als nach einer Woche Kurzzeitpflege ihre Ablösung nicht auftaucht. 

Roza will schließlich die Hochzeit ihrer Tochter auf keinen Fall verpassen. Der Freitagsfilm von Bruno Grass (ja, der Sohn des Schriftstellers) beginnt mit galligen Kabbeleien zwischen Pflegerin Roza und Griesgram Kurt als Komödie, die ein wenig an die Konstellation der rotzfrechen RTL-Sitcom "Magda" denken lässt. Relativ schnell gerät die Romanze dann aber in ruhigeres und vor allem emotionaleres Fahrwasser. 

Tauwetter

Pluspunkte sind neben den tollen Landschaftsbildern die sympathischen Figuren: Einerseits der kurslose Kapitän a.D. mit Vergangenheitsbewältigungsproblemen, andererseits die eigensinnige, leicht kratzbürstige Roza mit ihren Verlustängsten. 

Lina Wendel fiel in letzter Zeit vor allem als knallharte Ex-Stasi-Agentin in der Reihe "Die Füchsin" auf. Hier zeigt sie sich – mit glaubwürdigem polnischen Akzent – von einer erfrischend anderen Seite. Was am Ende des in Polen gedrehten Films passiert, ist freilich keine Überraschung, aber folgerichtig: "Ah, Kühlschrank taut auf."

Autor: Björn Sommersacher

21.9.2018, 14.07 Uhr

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