Kritik: Das Leben vor mir

Alte Wunden

In "Das Leben vor mir" spielen Matthias Habich und Eleonore Weisgerber ein entzweites Paar, das sich nach vielen Jahren unausgesprochener Dinge wiedertrifft. Ein Film voller Gefühl.

In alten Zeiten

Dass Matthias Habich auf die 80 zugeht, zeigt sich höchstens an seinen Falten. Er verleiht der Figur des alternden Feingeistes Cornelius einen jugendlichen Charme und Humor, der es leicht macht, zu erkennen, warum der 30 Jahre jüngere Frank (Stephan Kampwirth) sich vor 25 Jahren in ihn verliebt hat. 

Das "mir" im Titel des Films bezieht sich auf ihn. Denn ausgerechnet an ihrem silbernen Jubiläumstag steht mit Cornelius’ Ex Julia dessen früheres Leben als Familienvater vor Frank. Cornelius hatte Julia für ihn verlassen, woraufhin die feministische Journalistin sich nach San Francisco absetzte, die beiden Kinder blieben bei ihrem Vater. Was nun folgt, sind hochkochende Emotionen zwischen dem ehemaligen Paar, Julias Verletzungen durch Cornelius’ damalige Entscheidung sitzen tief und wurden nie mit ihm diskutiert. Bis jetzt.

Tiefgang 

Eleonore Weisgerber steht Habich in ihrem Spiel in nichts nach, beide geben ihren Figuren viel Profil, beide Seiten kann man verstehen. Sathyan Ramesh hat ein Drehbuch voller intelligenter Dialoge verfasst, durchaus mit Augenzwinkern und mit viel Gefühl, ohne je ins Pathos abzugleiten. 

Auch dann nicht, als sich Frank, der sich zunehmend ausgeschlossen fühlt, in einen anderen verliebt und sich von Cornelius trennt. Das Ende des Films ist traurig und dennoch versöhnlich. Besser geht’s kaum. 

Autor: Susanne Bald
 

24.10.2018, 14.33 Uhr

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