Kritik: Prag-Krimi – Wasserleiche

Zugabe!

Der "Prag-Krimi" mit Roeland Wiesnekker überzeugt als großartiges Tatort-Theater in der goldenen Stadt.

Tod beim Feiern

Die Tschechen verfügen eindeutig auch in der Küche über schwarzen Humor. Das Gericht, das Kommissar Jan Koller (Roeland Wiesnekker) von seinen Prager Kollegen serviert wird, nennt sich – wie der Titel des Reihenauftakts – "Wasserleiche". Dabei handelt es sich um sauer eingelegte Würste. Kollers Kommentar: "Sieht furchtbar aus, schmeckt hervorragend".

Ebenso unappetitlich ist der Anblick von Kollers Kollegen Frank Müller (Dirk Borchardt), der tot aus der Moldau gefischt wurde. Weil Koller das Opfer kannte und in Prag aufgewachsen ist, soll er Amtshilfe leisten. Müller starb während des Junggesellenabschieds seines Bruders – entsprechend groß ist der Kreis der Verdächtigen.
 

Ungewöhnliche Methode

Um den Mörder aus der Reserve zu locken, wählt Koller eine ungewöhnliche Methode: Er lässt die Tatnacht minutiös nachspielen – Saufgelage und Stripclub-Besuch inklusive. Vorhang auf für großartiges Tatort-Theater! Regisseur Nicolai Rohde und sein fünfköpfiges Drehbuchteam inszenieren Kollers ersten Prag-Einsatz als packendes Krimi-Kammerspiel.

Dabei können sie sich auf einen starken Impressario verlassen. Wie ein psychologisch versierter Puppenspieler dirigiert Roeland Wiesnekker als feingeistiger Kommissar seine mörderischen Mitspieler und entwirrt die Fäden des vertrackten Falles. Applaus, Applaus für dieses gelungene Debüt!

Autor: Florian Büttner

7.12.2018, 14.05 Uhr

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