Kritik: Wir sind doch Schwestern

Ein Jahrhundert Leben

Die Verfilmung des Bestsellers von Anne Gesthuysen ist trotz toller Darstellerinnen ein wenig steril geraten. 

Versöhnung zum Fest

Zwei Weltkriege, die deutsche Teilung: In ein Jahrhundert Leben passt ziemlich viel hinein, und das ist nur der äußere Rahmen. Wenn also eine Frau 100 wird und ihre Schwestern nicht bedeutend jünger sind, kommen jede Menge interessanter Episoden zusammen, sollte man meinen.

Der historische Hintergrund bleibt im ARD-Film "Wir sind doch Schwestern" nach dem Bestseller von Anne Gesthuysen jedoch eher dünn, die persönlichen Geschichten reduzieren sich auf wenige Ereignisse, in erster Linie auf das Zerwürfnis zwischen der jüngsten, Betty, und der ältesten der Janssen-Schwestern, Hiltrud. Dazwischen die leidgeprüfte Martha, die nach Jahren der Funkstille zu Hiltruds Hundertstem die Versöhnung erhofft.

Sätze voller Pathos

Regisseur Till Endemann hat die Janssens mit jeweils drei Darstellerinnen unterschiedlichen Alters besetzt. Am meisten Kamerazeit haben Jutta Speidel, Gertrud Roll und Hildegard Schmahl. Eine gute Wahl. Auch die Maskenbildner haben bei ihnen ganze Arbeit geleistet. Alle Darstellerinnen sorgen für so einige berührende Momente und das ein oder andere Schmunzeln.

Insgesamt lässt der Film in weiten Teilen dennoch seltsam kalt, was auch an solchen Sätzen voller Pathos liegt: "Wir haben uns immer dann verletzt, wenn wir die Moral über alles gestellt haben, diese ekelhafte, verlogene Moral." 

Autor: Susanne Bald 

21.12.2018, 14.54 Uhr

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