Kritik: Das Märchen von der Regentrude

Tolle Bilder, prima Darsteller und eine aktuelle Botschaft: "Das Märchen von der Regentrude" ist an Weihnachten ein echtes Vergnügen.

Prophetisches Kunstmärchen

Die Flüsse sind ausgetrocknet, die Bauern klagen über Missernten, und überall herrscht akute Waldbrandgefahr: Was klingt wie eine Beschreibung des Jahrhundertsommers 2018, ist der Auftakt zum "Märchen von der Regentrude". Theodor Storm schrieb die Vorlage bereits 1863. Das Kunstmärchen war als Warnung gemeint, dass die Menschen vor lauter Profitgier nicht mehr im Einklang mit der Natur leben und so ihr eigenes Ende vorantreiben. 155 Jahre später ist die Geschichte aktueller denn je.

Rundum gelungen

Regisseur Klaus Knoesel (Drehbuch: Leonie Bongartz, Dieter Bongartz) hält sich dennoch mit allzu offensichtlichen Bezügen zum Weltgeschehen zurück: Den Wiesenbauern (Axel Prahl), der noch aus der Dürre Profit schlägt und der die Existenz der Naturgöttin Regentrude für Stuss hält, hätte man natürlich fabelhaft als eine Art Donald Trump des Mittelalters zeichnen können. Doch daran hätte wohl nur das ältere Publikum seine Freude gehabt.

So steht im Mittelpunkt des Märchenfilms die mutige Maren (überzeugend: Janina Fautz), die in die Unterwelt aufbricht, um die Regentrude zu wecken und ihr Dorf zu retten. Tolle Bilder (Kamera: Philipp Timme) und gelungene Nebenfiguren wie Özgur Karadeniz als norddeutsch-trockener Fährmann machen die knapp 60 Minuten zu einem kurzweiligen Spaß. Mit Botschaft!

Autor: Martina Borgschulze

24.12.2018, 11.23 Uhr

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