Kritik: Totengebet

Josef Rusnak inszeiert Elisabeth Herrmanns Kriminalroman "Totengebet" als bildstarkes Roadmovie. Jan Josef Liefers gibt der Hauptfigur Tiefe.

Gelungener Wechsel

Die letzten Fälle des Berliner Anwalts Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) waren allenfalls durchschnittliche TV-Krimis. Für Teil 5 der Reihe wechselte – notgedrungen – der Stab hinter der Kamera: Regisseur Carlo Rola, der die ersten vier Folgen in Szene gesetzt hatte, war 2016 verstorben. Nun sitzt Josef Rusnak auf dem Regiestuhl, und der erzwungene Wechsel tut dem Film gut. 

Rusnak inszeniert die komplizierte Geschichte von Elisabeth Herrmanns Kriminalroman "Totengebet" als bildstarkes Roadmovie: In Berlin wird Vernau von der jungen Amerikanerin Rachel Cohen (klasse: Mercedes Müller) gebeten, ihr bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater zu helfen. Ihre Mutter Rebecca, die kurz nach Rachels Geburt "ins Wasser ging", gehörte einst zu Vernaus Bostoner Studentenclique. Auf Vernaus Reise, die ihn erst nach Amerika und dann in die eigene Vergangenheit führt, pflastern bald Leichen seinen Weg. 

Liefers liefert

Wer einen Blick auf die Besetzungsliste wirft, kann schon beim Vorspann eine ziemlich sichere Wette darauf abschließen, wer am Ende hinter den ganzen Todesfällen steckt. Als TV-Krimi funktioniert "Totengebet" deshalb nur bedingt. 

Doch die Figur des Anwalts Vernau gewinnt in diesem Teil der Reihe enorm an Tiefe. Die Jan Josef Liefers begeistert ausspielt. Und das macht "Totengebet" unbedingt sehenswert.

Autor: Martina Borgschulze

14.1.2019, 13.37 Uhr

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