Kritik: Condor

Die Serienadaption des 70er-Jahre-Klassikers "Die drei Tage des Condor" scheitert vor allem an einer völlig uninteressanten Hauptfigur.

Keine Scheu

Mit dem Politthriller "Die drei Tage des Condor" schuf Sidney Pollack 1975 einen Klassiker des "New Hollywoods". Wenn man so einen Meilenstein des "70er-Paranoiakinos" (Cinema) für eine Serie adaptiert, darf man den Vergleich nicht scheuen. 

Aber es sind nun einmal Robert Redfords sehr große Fußstapfen, in die Max Irons (Sohn von Jeremy Irons, leider nicht so begabt) in der Hauptrolle treten muss: Der junge, idealistische CIA-Analyst Joe Turner hadert mit seinem Job. Gemeinsam mit anderen Hacker-Hipstern entwickelt er nämlich Algorithmen, die Terror-Verdächtige aufspüren sollen. Mit Joes demokratischen Prinzipien will diese totale Überwachung aber nicht so recht harmonieren. 

Ungewohnte Schurkenrolle

Augen auf bei der Berufswahl, denkt sich der Zuschauer gerade noch – da löscht auch schon ein Killerkommando nahezu das gesamte Team aus. Nur Joe kann entkommen. Nun sollte man eigentlich mitfiebern, wie er, der in Außeneinsätzen doch völlig unerfahren ist, mit Hirn und Glück den Hintermännern auf die Spur kommt. 

Doch Joe ist ein derartig uninteressanter Charakter, dass einem auch nach 30 Minuten ausführlich erzählter Hintergrundgeschichte (er joggt gerne und ist seit sechs Jahren Single!) sein Schicksal herzlich egal ist. Allenfalls Brendan Fraser ist in der ungewohnten Schurkenrolle einen zweiten Blick wert.

Autor: Martina Borgschulze

21.1.2019, 16.21 Uhr

TV-Kritik empfehlen