Kritik: Mensch, Papa!

In der RTL-Dokusoap "Mensch Papa" werden Väter mit ihren Kindern allein zu Hause gelassen, die Mütter kommentieren die Hausmänner vor der Kamera. Ein bedenkliches Format.

Der Hausmann von heute

"Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann", ärgerte sich Johanna von Koczian über den mangelnden Einsatz ihres Lebensgefährten. Als der Song 1977 im Radio dudelte, war Rafael, erster Protagonist der neuen RTL-Dokusoap "Mensch, Papa!", ungefähr fünf Jahre alt. Besonders viel gelernt hat er in den letzten 42 Jahren nicht. 

Als Gattin Jessica ihre Familie wegen des RTL-"Experiments" ihrem Schicksal überlässt, ist er völlig überfordert vom Wäschewaschen, Kochen und der Kindererziehung. Sein Ringen mit Kind und Klößchen sehen nicht nur die RTL-Zuschauer, sondern auch Jessica und vier weitere Mütter. Die Rafaels Leiden vom Sofa aus genüsslich kommentieren. Diverse Vox-Shows lassen grüßen. 

Klischees Ade?

Schon im Vorfeld hagelte es Kritik, der Sender würde mit dem Format veraltete Genderklischees befeuern. Veraltet? Nunja, die Wahrheit ist, dass auch heutzutage in vielen Familien eben doch noch eine traditionelle Rollenverteilung herrscht.

Das Ärgerliche an der Dokusoap ist denn auch nicht, dass diese Klischees als Gag-Liferant dienen (Guck mal, Papa nimmt viel zu viel Soßen-Pulver, bäh). Sondern dass die Frauen ihre eigene Rolle nicht hinterfragen. Das Damen-Tribunal um Jessica jedenfalls findet Rafaels Scheitern eher lustig als bedenklich. Und das ist nun wirklich bedenklich.

Autor: Martina Borgschulze

22.1.2019, 14.14 Uhr

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