Kritik: Lotte am Bauhaus

Der ARD-Film "Lotte am Bauhaus" mit Alicia von Rittberg spielt zwar im Jahr 1922, die gesellschaftlichen Herausforderungen des Films weisen aber durchaus Parallelen zur heutigen Zeit auf.

Zeitlos 

"Bleiben Sie in der Fläche. Das ist Ihre natürliche Bestimmung", erklärt Johannes Itten, Dozent am Bauhaus. Wir schreiben das Jahr 1922, und Studentin Lotte (großartig: Alicia von Rittberg) muss sich gerade anhören, dass sie als Frau nicht dreidimensional denken könne. Sie soll deshalb weben statt tischlern. 

Lotte hat zwar gerade mit einem Bauklotzspiel einen Verkaufsschlager gelandet, aber geschenkt! Es ist eine Schlüsselszene des Films, den die ARD zum Bauhaus-Jubiläum ausstrahlt. Die fiktive Figur der Lotte steht stellvertretend für die vielen Frauen, die hofften, an der Kunstschule die von Bauhaus-Gründer Gropius propagierte Gleich berechtigung zu erleben – um festzustellen, dass sie aus dem Weg geschubst wurden, sobald sie die männliche Dominanz gefährdeten. 

Alte Bekannte

Wie Lotte gegen den Chauvinismus anrennen muss – bei Lehrern, beim Lebensgefährten, bei Auftraggebern – ist so zeitlos und pointiert erzählt, dass die Geschichte ebenso gut 2019 spielen könnte. 

Und auch das kommt einem bekannt vor: Während die Bauhäusler in liberalen Idealen schwelgen, schreien Populisten nationalistische Parolen … Leider kippt der toll bebilderte Film im letzten Drittel ins Melodramatische. Fazit: "Lotte am Bauhaus" hätte als Serie besser funktioniert. Und wir sind heute auch nicht weiter als vor 100 Jahren.

Autor: Martina Borgschulze

14.2.2019, 13.51 Uhr

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