Kritik: Wir sind klein und ihr seid alt

In "Wir sind klein und ihr seid alt" verbringen Senioren sechs Wochen mit einer Kindergartengruppe. Das Ergebnis ist erstaunlich – dennoch hat das Format einige Schwachstellen.

Quirlige Therapeuten 

Eltern kennen dieses Paradoxon: Kinder können einem graue Haare bescheren – und sind doch der stärkste Jungbrunnen. Das stellt auch eine Seniorin fest: "Die Kinder sind wie Medizin". Davon bekommt sie täglich eine hohe Dosis verabreicht. 

Sechs Wochen lang verbringen die Bewohner einer Seniorenresidenz Zeit mit einer Kindergartengruppe – ein Treffen der Generationen. Durch gemeinsame Ausflüge und Spiele mit den quirligen Therapeuten sollen die älteren Teilnehmer, die mit Gebrechen und Einsamkeit zu kämpfen haben, Lebensfreude spüren und über sich hinauswachsen. Ihre kleinen Begleiter wiederum sollen in ihrer Sozialkompetenz gestärkt werden. 

Kindlicher Zaubertrank

Eigentlich ein schöner Ansatz. Leider ist das TV-Experiment zu sentimental gefärbt. Tränenreiche Rückblicke auf das entbehrungsreiche Leben der Senioren wechseln sich ab mit Großaufnahmen von lachenden Kindergesichtern. Auch das bemüht hippe Sprachkorsett nervt. 

Begegnungen finden im "Activity room" statt – weil Aufenthaltsraum nicht cool genug klingt. Erstaunlich dennoch, wie sehr die körperlich eingeschränkten Senioren in kurzer Zeit aufblühen. Fit wie Methusalix meistern sie im Streichelzoo unebenes Gelände und spielen sogar Ball mit ihren Schützlingen. Bleibt zu hoffen, dass die Wirkung dieses kindlichen Zaubertranks möglichst lange anhält. 

Autor: Florian Büttner

18.2.2019, 13.47 Uhr

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