Kritik: Charité

Die Handlung der zweiten Staffel der ARD-Serie "Charité" setzt rund 80 Jahre nach der der ersten ein. In der Klinik im NS-Zeitalter mischen sich erneut reale und fiktive Personen: unterhaltsam, emotional und spannend. 

Klinik im Krieg

Der Hörsaal füllt sich, die Kameras der "Wochenschau" rollen, die Spannung steigt. Auftritt Professor Dr. Ferdinand Sauerbruch, begnadeter Chirurg mit Entertainer-Qualitäten, der hier gleich eine seiner spektakulären OPs durchführen wird. 

Die neuen Folgen der Serie "Charité" über die berühmte Berliner Klinik beginnen 1943. Der Alltag zwischen Medizin, Bombenangriffen und Rassen-Ideologie bildet den historischen Hintergrund. Sauerbruch, einst Befürworter des NS-Regimes, probt angesichts des Euthanasieprogramms und der Verfolgung der Juden zunehmend den Widerstand. Ulrich Noethen verkörpert den charismatischen Arzt mit energischer Überzeugungskraft. 

Experimente mit Kindern

Die Medizinstudentin Anni (ebenso überzeugend: Mala Emde) ist von Widerstand weit entfernt. Sie und ihr Mann Artur, ein arisches Vorzeigepaar, erwarten gerade ihr erstes Baby. Dass der Kinderarzt Artur Versuche an sogenannten "Reichsausschusskindern" durchführt, ahnt Anni nicht. Erst als ihr Kind nicht gesund zur Welt kommt und ihr von der Front heimgekehrter Bruder posttraumatische Symptome zeigt, kann sie ihre Augen nicht länger verschließen. 

Erneut vermitteln die Autorinnen Dorothee Schön und Sabine Thor-Wiedemann mit einem Mix aus realen und fiktiven Personen deutsche Geschichte: unterhaltsam, emotional und spannend.

Autor: Susanne Bald

20.2.2019, 14.15 Uhr

TV-Kritik empfehlen