Kritik: Letzte Spur Berlin

Die 78. Folge der Krimiserie "Letzte Spur Berlin" weckt unheilvolle Erinnerungen an die deutsche Geschichte. Der Fall besticht mit einer düsteren Atmosphäre und einem tollen Martin Brambach. 

In der Angstzone 

No-go-Areas, Tabuzonen für Ausländer, die Menschen anderer Nationalität nicht angstfrei betreten können, soll es auch in Deutschland geben. Regisseur Josh Broecker greift die Idee eines solchen rechtsfreien Raumes auf und entwickelt daraus in Spielfilmlänge den spannenden Auftakt zur achten Staffel der Serie. 

Dass etwas in dem ausgestorben wirkenden Ort Falkenstein nicht stimmt, merkt das Team der Vermisstenstelle um Radek (Hans-Werner Meyer) schnell: Bewohner posieren in Wehrmachtsuniform und zeigen sich offen fremdenfeindlich. Der rechtsgerichtete Wolfgang Grimm, größter Arbeitgeber im Ort, scheint eine Art Alleinherrschaft aufgebaut zu haben, in dem Andersdenkende keinen Platz haben. Als nach einem Fleischerei-Fahrer auch die investigative Journalistin Constanze spurlos verschwindet, scheinen alle Fäden bei Grimm zusammenzulaufen. 

Schrecklich glaubwürdig

Völkische Gesänge im Fackelschein, Bewohner die gebannt ihrem Führer lauschen: "Sommersonnenwende", so der Titel des 90-Minüters, weckt unheilvolle Erinnerungen an die deutsche Geschichte. 

Trotz Bildern von flirrender Sommerhitze entfacht der Film eine bedrohliche Atmosphäre. Das ist nicht zuletzt Martin Brambachs Verdienst: Er sorgt als schrecklich glaubwürdiger Dorf-Despot dafür, dass sich diese Spur ins Gedächtnis brennt. 

1.3.2019, 13.40 Uhr

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