Kritik: Ziemlich beste Nachbarn

Michael Kessler will uns unsere Nachbarn näherbringen: Dabei verheddert er sich in Klischees und ist leider nicht wirklich witzig. 

Krise in Lampukistan

Seit 2012 der französische Film "Ziemlich beste Freunde" zum Kinohit wurde, wird jeder Beitrag über wie auch immer geartete Beziehungen derart zuverlässig mit "Ziemlich beste ..." betitelt, dass man schreien möchte. Für den ZDF-Dreiteiler über unsere europäischen Nachbarn ist der Titel allerdings passend. Schon weil das Format – wie die bisweilen schablonenhafte Kinokomödie - zwar vorgibt, mit Klischees aufzuräumen, sie aber stattdessen tüchtig bedient.

Michael Kessler reist wie ein Pauschaltourist, der auf Malle eine Schnitzelbude sucht, durch Russland und ist überrascht, dass man dort überall lecker essen kann. Die Menschen und die "russische Seele" will er uns näherbringen, indem er ausgiebig Touri-Artikel mit Stalins Konterfei ins Bild rückt. Solche Szenen räumen mit Klischees etwa so gründlich auf, als wolle man Japanern die deutsche Lebensweise vermitteln, indem man sie 45 Minuten durch eine Kuckucksuhren-Fabrik führt.

Nicht witzig

Dazu passt, dass Kessler gefühlt jeden zweiten Satz mit "der Russe" einleitet. Übrigens in einem Tonfall, als würde er in seiner "Switch"-Paraderolle als RTL-Moderator Peter Klöppel Neuigkeiten aus Lampukistan verkünden. Das alles ist natürlich ironisch gemeint, schon klar, haha. Am Ende bestätigt das ZDF mindestens ein Klischee: Deutsche sind einfach nicht witzig. 

Autor: Martina Borgschulze

5.3.2019, 13.16 Uhr

TV-Kritik empfehlen