Kritik: Klassentreffen

Der Improvisationsfilm "Klassentreffen" von Jan Georg Schütte ist kinoreif. Kurzweiligige 90 Minuten mit einem herausragenden Ensemble.

Spitzenklasse 

Jan Georg Schütte hat ja schon u. a. mit "Altersglühen" gezeigt, wozu eine gut geführte Schauspielerriege imstande ist, wenn man sie treffend besetzt und dann einfach machen lässt. "Klassentreffen" setzt diesbezüglich neue Maßstäbe. 

Charly Hübner, Anna Schudt, Elena Uhlig & Co. liefern schlichtweg großes Improvisationskino mit hohem Wiedererkennungswert ab. Jeder, der schon einmal bei einem Klassentreffen war, wird sich oder seine früheren Mitschüler wiedergefunden haben. 

Durch die Bank

Hier werden hemmungslos alte Feindschaften gepflegt, vergessene Vorlieben kommen wieder auf den Tisch der Kleinstadtkneipe, in der alles so aussieht wie früher. Auch diese Location ist sorgsam ausgewählt. Die Kegelbahn wirkt genauso aus der Zeit gefallen wie die kleinen Buletten am improvisierten Büffet. Und diese Typen! 

Es sind alle vertreten: die Putzhauer, die Gescheiterten, die Daheimgebliebenen, die Diven, die Kleinbürger. Wunderbar gespielt von einem Ensemble, dass seine Freiheiten sichtbar genießt. Jedem einzelnen möchte man danken für diese kurzweiligen 90 Minuten. Noch mehr dem Macher, der seine Künstler so wunderbar mit kleinen Biografien ausgestattet hat und sie dann genial hat machen lassen. Wer nach diesem Filmgennuss allerdings selbst noch zu einem Klassentreffen geht, ist irgendwie selbst schuld.

Autor: Andreas Herden

7.3.2019, 14.06 Uhr

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