Kritik: After Life

In "After Life" beweist der britische Komiker Ricky Gervais, dass er auch leise Töne anschlagen kann. Die Netflix-Serie ist witzig, warmherzig und sehenswert.

Bitterböse bewegend

Tonys perfektes Leben bricht nach dem Krebstod seiner geliebten Frau Lisa zusammen. Unfähig, den Verlust zu verarbeiten, verliert er jeglichen Antrieb und Lebensmut. Nur seine Hündin Brandy, die ihn schonmal von halbherzigen Selbstmordversuchen abhält, treibt den Witwer überhaupt aus dem Bett. 

Aus dem netten, beliebten Durchschnittstyp, der seiner Frau gern Streiche spielte, ist ein dauergrantelnder Menschenfeind geworden. Doch während Tony allerlei Dummheiten anstellt, um seine Trauer und seine Wut an seiner Umwelt und sich selbst auszulassen, gewinnt sein gutmütiges Herz doch irgendwie die Oberhand. 

Laut wie leise

Dass der britische Komiker Ricky Gervais, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt, auch leise, rührende Töne anschlagen kann, bewies er schon mit seiner Comedyserie "Derek". Trotz der oft rüden, von Flüchen geprägten Tonalität, die in "After Life" vorherrscht, spürt man: Die bissige Serie, für die Gervais als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller fungierte, ist ein Werk der Liebe – auch wenn einem ob Tonys Beleidigungen manchmal der Mund offen steht. 

Von frustrierten Besuchen bei seinem dementen Vater bis zu seinem Umgang mit seinem süßen Neffen zieht sich seine unterdrückte Warmherzigkeit durch jede Szene. Das ist nicht nur sehenswert, sondern auch sehr, sehr witzig. 

Autor: Kristin Lenk

12.3.2019, 13.05 Uhr

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