Kritik: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

In "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" spielt Patrick Dempsey einen unter Mordverdacht stehenden Erfolgsautor. Dem Schauspieler gelingt es nicht, seiner Figur Tiefe zu verleihen.

Nur ein Krimi 

Upps! Kaum wird im eigenen Garten eine Leiche ausgebuddelt – prompt ist man der Hauptverdächtige. Da kann Erfolgsautor Harry Quebert (Patrick Dempsey) noch so sehr beteuern, die 15-Jährige Nola (Kristine Frøseth) nicht umgebracht zu haben. 

Dass er wichtige Fakten in einer Salamitaktik preisgibt, belastet ihn enorm. Nur sein Protegé Marcus (Ben Schnetzer), ein Schriftsteller mit Schreibblockade, ist entschlossen, "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" ans Licht zu bringen.

Kein Interesse 

Die Serie mit dem sperrigen Titel beruht auf dem hochgelobten Bestseller von Joël Dicker. In ihrer Komplexität erinnert die Story an den Kulthit "Twin Peaks". Doch statt David Lynch sitzt bei "Harry Quebert" Jean-Jacques Annaud auf dem Regiestuhl. Und der hat schon bei Umberto Ecos "Der Name der Rose" die Vielschichtigkeit der Vorlage auf den bloßen Whodunnit-Plot reduziert. 

Anders als bei dem Klosterkrimi kann sich Annaud diesmal leider nicht auf seinen Hauptdarsteller verlassen: Patrick Dempsey legt die Titelrolle wie eine Humbert-Humbert-Version seiner "Grey’s Anatomy"-Figur Derek Sherperd an und scheitert daran, Harrys Charakter die Undurchsichtigkeit abzutrotzen, die ein packendes Verwirrspiel nun mal erfordert. Welche Wahrheit im Fall Quebert steckt – es interessiert einen am Ende nicht wirklich. 

Autor: Martina Borgschulze

4.4.2019, 14.34 Uhr

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