Kritik: Leaving Neverland

In der Doku "Leaving Neverland" schildern zwei Männer, wie Popstar Michael Jackson sie angeblich als Kinder missbraucht hat. Die knapp vierstündige Reportage löste heftige Diskussionen aus.
 

Verlorene Jungs 

Peter Pan zieht sich als roter Faden durch das Leben von Michael Jackson. Für den "King of Pop" war der Kinderbuchheld, der aus Protest gegen die Erwachsenenwelt niemals selbst erwachsen wurde, Identifikationsfigur und Schutzpatron zugleich. Aus seinem Wohnsitz machte Jackson ein "Neverland". 

Hierher holte er viele "verlorene Jungs". Verloren waren die Jungen tatsächlich – wegen dem, was Jackson ihnen antat. Zwei von ihnen, Wade Robson und James Safechuck, kommen nun in der Doku des Regisseurs Dan Reed zu Wort. Ihre Schilderungen, wie der Star sie jahrelang sexuell missbrauchte, wie er sie manipulierte, zeigen gut, wie Missbrauch funktioniert. Wie Opfer lange nicht erkennen, dass ihnen Unrecht widerfährt. Wie ihr Umfeld die Augen davor verschließt. 

Heftige Diskussion

Nein, neue Fakten stellt Reed nicht vor. Und es ist auch nicht seine Absicht, Jacksons Seite Gehör zu verschaffen. In den Medien entbrannte deshalb eine heftige Diskussion über die Machart des Films – und darüber, ob man die Songs des "King of Pop" noch senden und hören darf. 

Als 1993 erstmals Vorwürfe gegen Jackson geäußert wurden, gab es diese Diskussion nicht. Die wichtigste Frage, die der Film aufwirft, ist also diese: Warum müssen Missbrauchsopfer erst erwachsen werden, damit man ihnen zuhört?

Autor: Martina Borgschulze

8.4.2019, 15.20 Uhr

TV-Kritik empfehlen