Kritik: Die Morde des Herrn ABC

In "Die Morde des Herrn ABC" spielt John Malkovich den legendären Ermittler Hercule Poirot. Mit der Figur aus der Romanvorlage von Agatha Christie hat der Protagonist der neuen BBC-Produktion allerdings wenig zu tun.

Der neue Alte

John Malkovich wäre wohl nicht gerade der Schauspieler, der den meisten als Erstes einfallen würde, wenn es um eine Neubesetzung des legendären Hercule Poirot ginge. Schon allein optisch entspricht der groß gewachsene US-Amerikaner so gar nicht dem rundlichen kleinen Belgier. 

Die BBC hat sich jedoch nicht beirren lassen und Malkovich in ihrer Serien-Adaption von Agatha Christies Roman "Die Morde des Herrn ABC" besetzt. Das Buch wurde bereits 1965 verfilmt. Damals gab Tony Randall den berühmten Detektiv, und der Ton war heiter, zuweilen gar slapstickhaft. 

Überraschend gut

Davon kann in der von Sarah Phelps geschriebenen und von Alex Gabassi inszenierten BBC-Version keine Rede sein. Gewalt und Sex werden in einer Weise ausgespielt, die in einem Christie-Roman undenkbar wäre. Und der geckenhaft eitle Poirot wird zu einer einsamen, melancholischen Figur, die von Gespenstern der Vergangenheit heimgesucht wird. 

Der Detektiv wird nicht nur von dem teuflisch cleveren ABC-Mörder verhöhnt, sondern auch von dem weitaus weniger schlauen Inspektor Crome (Rupert Grint). Die neue Sichtweise auf Poirot funktioniert überraschend gut, was natürlich auch an dem einmal mehr hervorragenden John Malkovich liegt. Eher störend sind dagegen Holzhammer-Verweise auf aktuelle politische Stimmungen.

Autor: Sebastian Hagner

2.5.2019, 7.12 Uhr

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