Kritik: Eden

Die Serie "Eden" will möglichst viele Facetten der Flüchtlingsthematik aufzeigen. Bei diesem Versuch schießen die Macher allerdings etwas über das Ziel hinaus.
 

Überladenes Paradies 

Die Facetten der Flüchtlingskrise emotional begreifbar machen, ohne kitschig oder belehrend zu wirken: Das ist der Anspruch von "Eden". Um ihn zu verwirklichen, haben die Autoren der Serie in Flüchtlingscamps recherchiert, mit EU-Mitarbeitern, Flüchtlingen, Hilfsorganisationen und Rechtsexperten gesprochen. 

So ist ein fesselndes Schicksalsgeflecht entstanden, das der Flüchtlingsthematik ein Gesicht gibt. Dabei hat Regisseur Dominik Moll weitgehend auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Da ist etwa der Syrer Bassam, der eine tiefe Abneigung gegen den Sohn seiner Gastfamilie hegt – was auf Gegenseitigkeit beruht. Da sind zwei Sicherheitsmänner des Camps, die aus Angst vor Jobverlust einen tödlichen Unfall verschweigen. Und da ist die Managerin Hélène (Sylvie Testud), die mit einem Modell privatisierter Camps reich werden will, aber auch das Wohl der Bewohner im Blick hat. 

Unter die Haut

Im Bemühen möglichst viele Dimensionen von Flucht zu zeigen, schießen die Serienmacher aber übers Ziel hinaus. Der Zuschauer verheddert sich in allzu vielen Handlungssträngen. Und Schauspielgrößen wie Juliane Köhler in der Rolle der Gastmutter bleibt wenig Raum, um ihren Figuren Tiefe zu verleihen. 

Unter die Haut gehen die Episoden dennoch. Man darf gespannt sein, was Serien-Debütant Moll jenseits von Eden ersinnt.

Autor: Florian Büttner

3.5.2019, 14.35 Uhr

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