Kritik: Endlich Witwer

In "Endlich Witwer" spielt Joachim Król einen grummeligen Kunstrasenfabrikanten, der seine Frau verliert - eine sehenswerte ZDF-Komödie mit einem authentischen Hauptdarsteller.

Irgendwie lustig 

Man kann Joachim Król ja gar nicht richtig böse sein. Selbst wenn er einen Unsympathen wie den Kunstrasenfabrikanten Georg Weiser spielt. Das macht er so gut, dass er bei aller Traurigkeit komisch wirken kann. 

Es ist natürlich nicht lustig, wenn ein Mann seine Frau verliert. Król stellt den Todesfall aber wie eine Befreiung dar. Nach Herzenslust lässt er sich gehen, räumt das Wohnzimmer um, schafft Platz für einen Riesen-Fernseher, lädt seinen Kühlschrank voller Bier, kifft in der Kirche. Je mehr er sich innerlich von der Last seiner Ehe befreit, desto mehr verfällt er äußerlich. 

Zweifelhaftes Filmvergnügen

Król agiert bei aller Präsenz und Dominanz zurückhaltend und authentisch. Er ist nun mal einer, der vieles sagen kann, auch wenn er schweigt. Richtig sehenswert wird das zweifelhafte Filmvergnügen natürlich durch sein Zusammenspiel mit der munteren Anneke Kim Sarnau, die putzend in das Haus des unlustigen Witwers eindringt und ihm liebenswert die Lebenslust beibiegt. 

Bei ihr wird der Mann von der traurigen Gestalt plötzlich zur Kämpfernatur im Wasser. Spätestens nach einer eigenartigen Szene im Hallenbad weiß man: Das Leben des Kunstrasenfabrikanten wird irgendwann wieder in die Spur kommen. Und man weiß, dass irgendein Kunstwortfabrikant wegen solcher Filme das Wort "tragikomisch" erfunden hat. 

Autor Andreas Herden

13.5.2019, 13.28 Uhr

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