Kritik: Reich oder tot

Auch wenn "Reich oder tot" nicht ganz das Niveau seiner beiden Vorgänger erreicht  – ein guter Polizeifilm ist der Thriller mit Fritz Karl und Nicholas Ofczarek trotzdem.

Echte Freunde 

Echt jetzt? Was ist das für ein Einstieg? Die Ermittler Kessel (Fritz Karl) und Diller (Nicholas Ofczarek) bekommen einen Tipp, dass ihr alter Bekannter Mohamed einen Banküberfall plant. Als der Coup steigt, ist dann ausgerechnet Kessels Exfrau Claire (Jessica Schwarz) mit der an Epilepsie leidenden Tochter Ruby in der Bank. 

Mit dieser konstruierten Exposition hat Krimiexperte Lars Becker tatsächlich mal ein wenig danebengegriffen. Auch sonst wirken ein paar Elemente überzogen, etwa wenn Claire im Kaufhaus Klamotten klaut oder wenn sie aus Verzweiflung Kessels Koks verticken will. 

Fabelhaft

Aber halb so wild! Auch wenn "Reich oder tot" nicht ganz das Niveau der beiden Vorgänger "Unter Feinden" (2013) und "Zum Sterben zu früh" (2015) erreicht – ein guter Polizeifilm ist der Thriller trotzdem. Das liegt vor allem an der fabelhaften Besetzung: So darf sich Francis Fulton-Smith als Hamburger Al-Capone-Verschnitt probieren (macht er gut), Martin Brambach eine Variante seines Dresdner Kommissariatsleiters Schnabel ("Tatort") zelebrieren und Soap-Star Felix Everding einen psychotischen Kleinkriminellen geben (auch gut!). 

Und natürlich an den zwei außergewöhnlichen Hauptfiguren, den dysfunktionalen Cops Kessel und Diller, denen angesichts aller Schicksalsschläge am Ende wieder nur ihre Freundschaft bleibt.

Autor: Björn Sommersacher

28.5.2019, 14.42 Uhr

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