Kritik: Wenn Frauen ausziehen

Die Komödie "Wenn Frauen ausziehen" hätte eine schwarzhumorige Satire nach griechischem Vorbild werden können, entwickelt sich aber rasch zu einem schon oft gesehenen Komödienstadl.

Weißblaue Geschichte 

Gendering: Der Name des fiktiven Handlungsortes ist vermutlich kein Zufall, steckt darin doch der Begriff Gender, und auch das Wort Gentrifizierung lässt sich mit viel gutem Willen erahnen. Beide Themen liegen der Komödie von Matthias Tiefenbacher zugrunde und verleihen ihr damit eine aktuelle Note. 

Ein Investor möchte den oberbayerischen Weiler kaufen und ein Luxus-Ressort daraus machen. 18 Millionen sollen die Bewohner dafür bekommen. Die Frauen sind Feuer und Flamme, könnten sie so doch endlich ihre Träume verwirklichen. Nur: Die Männer wollen nichts am Status quo ändern und bleiben stur. Die Folge: Die Frauen treten in den Streik, sollen die Kerle doch sehen, was sie davon haben. 

Tadelloses Bayerisch

Eine ähnliche Handlung machte die griechische Komödie "Lysistrata" einst zum Klassiker. Davon ist "Wenn Frauen ausziehen" weit entfernt. Was eine schwarzhumorige Satire hätte werden können, entwickelt sich rasch zu einem Komödienstadl, wie man ihn schon so oft gesehen hat. 

Dank der großartigen Besetzung bleibt der Film immerhin weitgehend unterhaltsam, darunter Friedrich und Max von Thun, Saskia Vester und Sophie von Kessel. Die einzige, durchaus positive Überraschung aber ist die Berlinerin Anna Maria Mühe, die in der Hauptrolle mit tadellosem Bayerisch und großer Spielfreude glänzt.

Autor: Susanne Bald

29.5.2019, 14.08 Uhr

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