Kritik: Die Bestatterin

In "Die Bestatterin" beweist Anna Fischer erneut, dass die Zeiten, in denen sie vor allem als laute Berliner Rotzgöre auftrat, längst vorbei sind.

Morbider Charme 

"Der Tod ist für mich vertrautes Gelände. Als Kind war das für mich völlig normal, dass wir Leichen im Keller hatten". Eine Aussage, die die junge Lisa (Anna Fischer) ernst meint, schließlich ist ihr Vater Bestatter, und sie greift ihm seit dem Unfalltod der Mutter unter die Arme … 

Junge Frau kehrt aufgrund eines Schicksalsschlags aus der Großstadt in ihre ländliche Heimat zurück. Oder: Junge Dorfbewohnerin vermutet ein Verbrechen und betätigt sich hinter dem Rücken der Polizei auf eigene Faust als Detektivin. 

Gut pointiert

"Die Bestatterin" schafft es, diese beiden überstrapazierten Handlungsmuster auf originelle Weise miteinander zu verknüpfen. Die Rolle der entwaffnend ehrlichen jungen Frau mit der feinen Spürnase ist Anna Fischer auf den Leib geschneidert. Einmal mehr beweist sie, dass die Zeiten, in denen sie vor allem als laute Berliner Rotzgöre auftrat, längst vorbei sind und sie eine ernst zu nehmende, erwachsene Charakterdarstellerin ist. 

Dass sich der Mix aus Regionalkrimi und Dramödie außerdem von vielen anderen Filmen und Serien ähnlicher Prämisse unterscheidet, ist dem Drehbuch von Arne Nolting und Jan Martin Scharf sowie Regisseurin Isabel Braak geschuldet. Statt auf gängige Schwabenklischees setzen sie auf gut portionierten schwarzen Humor und behandeln menschliche Dramen ohne Pathos.

Autor: Susanne Bald

4.6.2019, 7.42 Uhr

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